Dienstag, 27. September 2011

Tee und Freunde

Sitze hier gerade beim Pastor zuhause, er und seine Frau sind nicht da, dafür die halbe Jugend. Die Jungs haben die Sauna besetzt, und wir Mädels vergnügen uns in der Küche. Wir trinken Tee, essen leckere Hühnersuppe, versuchen Buchteln zu backen (irgendwie wird es eher Kascha als Buchteln), eine spielt Klavier, ihr kleiner Bruder futtert Kekskrümel, und irgendwie ist es wie eine große Familie. Ich freue mich hier zu sein :)

Habe heute die Kinder zur Schule gefahren, und war einkaufen, so langsam kann ich mich orientieren. Habe auch Wäsche gewaschen, der Tag war so wunderschön, Sonne Wind, hab die Wäsche rausgehangen, und ich wette, sie ist inzwischen trocken.

Die ganze Stadt erinnert mich irgendwie an die Zeit, als wir noch in Usbekistan gewohnt haben, Höfe und Häuser. Es ist nicht fremd hier für mich. Das Radio- und Fernsehprogramm ist auf russisch, lettisch und estnisch. Russisch verstehe ich, Lettisch ein wenig, es fühlt sich auch irgendwie "rodnoj" - am besten zu übersetzen mit dem englischen "familiar" an. Freue mich schon auf die Freunde in Lettland, wir sehen uns in 10 Tagen.

Montag, 26. September 2011

Tere tulemast!

heißt auf Estnisch Willkommen, und so fühle ich mich hier.

Am Freitag habe ich mit meinen Koffern Deutschland für ein halbes Jahr verlassen, um mein Praktikum in Estland zu machen. So herzlich wie ich zuhause und in Wüstenrot verabschiedet wurde, so wurde ich auch hier empfangen. Nachdem der Pastor der Gemeinde, in der ich jetzt diene, mich am Flughafen in Riga abgeholt hat, sind wir noch auf einen Markt gegangen, um für ihn und seine Familie Gemüse für den Winter einzukaufen. Es war sehr interessant, ich fühlte mich direkt in nach Usbekistan vor 25 Jahren zurückversetzt, es wurde gefeilscht und gehandelt, die Waren lautstark angepriesen - und von den potenziellen Käufern wieder schlechtgeredet. Wir waren dann noch in einem großen Einkaufscenter, die an jeder Ecke stehen, und haben für mich eine lettische Telefonkarte gekauft, damit ich mit meinen Freunden in Lettland Kontakt günstig halten kann. Abends gegen sechs waren wir dann in seinem Haus angekommen, wo wir ein Abendessen einnahmen, um dann direkt zur Gemeinde aufzubrechen, wo noch eine Chorprobe für das Erntedankfest am Sonntag stattfand. So konnte ich die ersten Jugendlichen kennenlernen, die mich alle sehr herzlich begrüßten, in den Arm nahmen und mir erzählten, dass sie sich schon so lange auf mich gefreut hatten. Bei der ganzen Fahrerei hatten der Pastor, seine Frau und ich Gelegenheit, uns näher kennenzulernen, und schon ein wenig die Richtung meiner Arbeit abzustecken.

Danach wurde mir das Gemeindehaus gezeigt, dass wohl früher ein Wohnheim gewesen ist, im russischen Stil - mehrere kleine Wohnungen mit einer Gemeinschaftsküche und Bad und Toilette auf dem Flur. Ich habe ein Zimmer bekommen, in welchem ich endlich mein Gepäck loswerden konnte. Danach bin ich noch mit einem Mädchen aus der Jugend in die Innenstadt gegangen, um Lebensmittel für den nächsten Tag einzukaufen. Die Preise sind alle in Euro ausgezeichnet, und man kann sagen, dass alles mind. 3 x so teuer ist wie bei uns. Es gibt kaum Eigenmarken, also kann man nur Importware kaufen, und die ist nun wirklich nicht als günstig zu bezeichnen. Abends gegen elf estnischer Zeit bin ich todmüde nach 20 Stunden Wachsein und nur 1,5 Stunden Schlaf in der Nacht zuvor schlafengegangen. Es ist bereits merklich kalt hier, und trotz eines kleinen Elektroheizkörpers in meinem Zimmer ist es nachts kalt gewesen. Ich stelle mir besser nicht vor, was sein wird, wenn der Winter losgeht - 20° C sind hier im Winter wohl normal.

Am nächsten Tag wurde ich mittags abgeholt, um ein wenig von der Stadt zu sehen, und für die Erntedankfeier einzukaufen. Bei der Gelegenheit konnte ich das Mädchen auch näher kennenlernen. Auch konnte ich mir eine estnische Telefonkarte zulegen, damit ich mit den Leuten aus der Gemeinde Kontakt aufnehmen kann. Als wir zurück waren, war das Samstagnachmittagsprogramm mit Kinder- und Jungscharstunden bereits in vollem Gange. Ein anderes Mädchen aus der Jugend lud mich bis zur Jugendstunde zu sich nach Hause ein, und ich nutzte die Gelegenheit, um die Kontakte zu vertiefen. Wir haben gemeinsam gekocht und gegessen, viel erzählt, und sie lud mich ein, nach Jugendstunde und Chorprobe mit Übernachtung zu ihr zu kommen. Auch das wurde wieder eine sehr kalte Nacht, denn der Raum war überhaupt nicht geheizt. Sonntag früh sind wir dann wieder zur Gemeinde gegangen, und ich habe das erste Mal die Dusche hier benutzt. An sich ist die unserem Standard ähnlich, doch muss man dafür durch das halbe Haus wandern - ich will mir das im Winter lieber noch nicht vorstellen, denn auch dann wird das Haus nicht geheizt werden.

Während ich mich für den Gottesdienst schick machte, wurde das Haus voller, und dann ging der Gottesdienst auch schon los. Kinder haben gesungen, die Jugend auch, wir alle zusammen, es gab drei relativ kurze Predigten, ich durfte mich vorstellen - alles in allem eine sehr feierliche und herzliche Veranstaltung. Die Prediger haben besonders betont, dass Gott uns segnet, und dass alles durch ihn kommt. Auch die ursprüngliche Bedeutung des Erntedankfestes - das Pendant zum jüdischen Laubhüttenfest wurde erklärt, und der Sinn des Festes, Gott für sein Wort und für die Errettung aus Ägypten zu danken. Auf unsere Zeit übertragen sind wir dankbar für die Erlösung durch Jesus und seine lebendige Inkarnation des Wortes Gottes.

Danach gab es einen leckeren Plov, mit Fischschichtsalat, eingelegten Gurken und Brot. So hatten wir damals in Usbekistan auch gefeiert :) Wir sangen zusammen viele Lieder, gaben Zeugnisse und Wünsche weiter, lernten uns kennen, tauschten uns aus. Abends hat sich dann die ganze Jugend bei dem Mädchen getroffen, wo ich bereits übernachtet hatte, und wir tranken Tee, aßen die restlichen Wassermelonen vom gemeinsamen Mittagessen, sangen viele Lieder und sprachen einfach miteinander. Für mich war besonders schön, dort auch einen Klassenkameraden des Mädchens kennenzulernen, den sie auch eingeladen hatte. Es ist einfach beeindruckend, wie evangelistisch und offen die Jugendlichen hier mit ihrem Glauben umgehen!

Abends bin ich dann wieder heim, in mein Zimmer im Gemeindehaus, und habe ein wenig an unseren Plänen gefeilt, mit einer befreundeten Jugend aus Lettland ein gemeinsames Wochenende zu organisieren, habe an meinem Blog geschrieben :) und geh gleich ins Bett. Morgen früh werde ich abgeholt, und verbringe die kommenden Tage in der Familie des Pastors, der mit seiner Frau eine Reise unternimmt. Mal schauen, was sich ergibt.

Mir bleibt zu sagen, dass die Menschen hier, trotz ihrer sehr einfachen Lebensart sehr sehr herzlich, gastfreundlich, freigiebig und einfach wunderbar sind! Ich bin froh, dass ich sie kennenlernen darf, und Teil ihrer Gemeinschaft werden darf. Sie beginnen bereits, mich zu überreden, für immer hierherzuziehen und in der Gemeinde zu dienen. Mal sehen, ob dieser Wunsch bestehen bleibt, wenn sie mich erstmal besser kennen. Ich hoffe, ich kann hier zum Segen sein.

So, nun geh ich schlafen, und freue mich schon auf die nächsten Tage. Ihr hört von mir...