Sonntag, 13. November 2011

Was läuft...

Hallo Ihr Lieben!

kennt Ihr das - manchmal passiert nichts - und dann alles auf einmal!

So geht es mir im Moment. Nach einer ersten Eingewöhnungsphase, die voller Eindrücke war, von den Leuten, von der Gemeinde, von der Kultur, von Beziehungsstrukturen, von Preisen (leider!) und auch von dem feucht-nebligen Halbfrost hier, der jeder Pore durchzieht - kommt die Zeit, wo ich gar nicht mehr weiß, wann ich schlafen soll. Ich habe eine Bleibe gefunden, nach einigen durchgefrorenen Nächsten, Mittelohrentzündung und Grippe - und Flucht nach Lettland für einige Tage. Jetzt ist es wieder Zeit für einen Wechsel - denn das Zimmer ist in der Wohnung einer Familie - und meine Arbeit ist teilweise störend. Oft kommen haufenweise Leute zu mir, oder Einzelne. Sie wollen Nachhilfe in Deutsch oder Englisch, oder ein Gespräch, oder einfach nur ein wenig Gesellschaft. Ich bin dankbar, dass ich für die Leute hier nützlich bin. Manchmal befällt mich zwar irgendwas, wo ich denke, ich bin doch nicht der Gesandte des Deutschen Aussenministeriums - doch wir haben jetzt eine gute Lösung für alle denke ich. Nachdem ich bis zu 10 Einzel-Schüler hatte, beginnt ab morgen der Unterricht für alle Interessierten - aus der Gemeinde und vor allem mit dem Fokus auf ihre ungläubigen Klassenkameraden, Eltern, Geschwister, Nachbarn... Bitte betet, dass neben dem anstrengenden Unterricht die Liebe Jesu und das Evangelium weitergegeben werden können, und auf guten Boden fallen. Irgendwann sind alle diese Schüler von ihren Freunden und Kameraden eingeladen worden - und jetzt dienen sie Jesus! So hoffen wir, dass die Flamme weitergegeben wird. Ein Punkt zur "Multiplikation" und ""Kulturrelevanz" - in der Gemeinde gibt es mehrere sowohl Jugendliche als auch ältere Erwachsene, die selbst ziemlich gut die beiden Sprachen beherrschen. Ich hoffe, sie dafür zu begeistern, so dass dieser Dienst bald an sie übergeben werden kann.

Mit einer Schwester aus der Gemeinde, die den Weg eines jeden Jugendlichen von klein auf begleitet hat, bereiten wir gerade ein Revival der Frauenarbeit. Mehrere Versuche wurden unternommen - doch alles ohne bleibenden Erfolg. Die Schwierigkeit liegt unter anderem daran, die Probleme und Bedürfnisse der jungen Frauen mit denen der eher älteren Ehefrauen und alleinerziehenden Mütter zu vereinbaren. Alle einzenen Fragen sind akkut, doch immer fühlt sich ein Kreis nicht beteiligt. Wir vertrauen auf die Weisheit von Gott, der die beste Lösung schon vorbereitet hat. Mein Wunsch ist es, dass es durch die Gemeinde selbst getragen wird, und nicht wieder einschläft, wenn die Missionare wieder abreisen.

Noch ein Riesenprojekt ist ein Jüngerschaftskurs mit der Jugend. Bewußt habe ich auf Level 0 angefangen, mit was ist das Evangelium, was ist Sünde, wofür sind wir geschaffen etc. Nicht, weil sie es nicht wissen, sondern weil es uns allen manchmal in Erinnerung gerufen werden müßte. Ich selbst bin 20 Jahre lang in die Gottesdienste, Gebetsstunden, Jugend-, Jungschar- und Kinderstunden gegangen, doch so klar, einfach und deutlich auf den Punkt gebracht - und von den Basics an habe ich es nie gehört. Leider fehlt es uns sehr oft. Wir wissen zwar wie sich Christen benehmen sollen, haben bestimmte Grundwerte - aber wir können oft nicht sagen, woran wir glauben. Bei der Vorbereitung der ersten Lektion hat Satan unzählige Male gestört, immer wieder ging alles mögliche schief. Beinah sicher, dass keiner kommt, ging ich zur Jugendstunde. Beginnen sollte sie eine Stunde früher als sonst, also doppelt so lang dauern. Ich wünschte mir Diskussion, Meinungen, Beweise - alles, nur nicht Gleichgültigkeit. Und ich war soo down, denn ich war fast sicher, dass es nicht klappen wird, dass keiner es wollen wird. Und Gott hat geschenkt - am Ende musste ich Gas geben, damit wir das Thema zu Ende bringen - und es ging diesmal nur um das Evangelium, was es ist, was es nicht ist, wo es herkommt, zu wem etc. Ich kann jetzt noch weinen, weil der Herr es so segnete. Und wir ernten jetzt schon Früchte. Nach anfänglichen Diskussionen, warum denn der Weihnachtsabend, den man traditionsgemäß "unter sich" feiert, jetzt plötzlich mit Einladung Ungläubiger gestaltet werden soll. Jetzt brennen viele dafür,  ich bin gespannt was der Herr noch tun wird.

Zu Weihnachten ist ein weiteres kleines Projekt geplant - nicht pure Evangelisation, sondern Nächstenliebe unseren Valga-ern gegenüber, die an solchen Familienfesten oft leer ausgehen. Das sind Kinder- und Altenheime, sowie ein Pflegeheim für körperlich und geistig Behinderte. Wir wollen mit einer kleinen Gruppe dorthin gehen, mit ihnen Tee trinken, singen, Nächstenliebe erweisen, von Jesus erzählen. Denn schließlich ist es Sein Geburtstag - und er kam in den Stall in nicht in den Palast.

Die meisten Eltern der Jugendlichen sind ungläubig. Für sie wollen wir ein Christmas Dinner veranstalten, mit leckerem Buffet und in gemütlicher Atmosphere. Wir wollen bezeugen, dass wir sie lieben. Und dass wir Jesus lieben. Und dass er uns liebt - und sie. Bereits jetzt haben einige Bauchschmerzen, denn oftmals sind die Eltern und Angehörigen sehr negativ auf die Zugehörigkeit der Kinder zum Christentum zu sprechen. Bitte betet, dass der Heilige Geist die Herzen vorbereitet, und dass alles Notwendige organisiert werden kann, trotz quasi nicht vorhandener Finanzen; die meisten sind noch Schüler!

Jetzt bleibt nur noch ein letztes Anliegen. Wohnungswechsel steht wieder an - zunächst um die Familie zu entlasten, und auch um mehr Freiheit und Freiraum zu haben, allen in der nötigen Form zu dienen. Bitte betet, dass sich etwas bezahlbares und bewohnbares finden läßt.

Vielen Dank möchte ich allen sagen, die mich im Gebet, durch Ermutigung und auch finanziell unterstützen. Ihr seid Teil dieser Arbeit, ihr macht sie möglich! Gott allein ist in der Lage, zu beurteilen, wieviel Frucht sie noch tragen wird. Aber selbst wenn nur ein einziger Mensch deswegen Segen erfährt, im Glauben gefestigt wird, näher zu Gott kommt, und nicht der Welt nachgibt, hat sich alles schon gelohnt. Doch ich sehe so viel mehr Möglichkeiten. Lassen wir uns von Gott für alle Mühe, für jede Träne, für investierte Mühe und Ressourcen, belohnen. Ihm die Ehre für alles!

Zuletzt grüße ich noch alle mit den letzten Versen aus dem Brief des Judas:

Dem, der die Macht hat, euch vor jedem Fehltritt zu bewahren, und der euch makellos und mit Freude erfüllt vor seine Herrlichkeit treten lassen kann, diesem einzigartigen und alleinigen Gott, der durch untseren Herrn Jesus Christus unser Retter geworden ist, ihm gebührt Herrlichkeit, Majestät, Gewalt und Macht - vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.

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