Es ist Sommer! Ok, manchmal :) Heute hatten wir gefühlte 10 Grad Außentemperatur, und ich wünschte, ich hätte einen Kamin und Glühwein :)
Seit dem Unterrichtsende und dem Crashkurs Ende Mai bin ich in Wüstenrot hängengeblieben. Da die meisten Leute ehe jetzt in Ferien sind, macht es wenig Sinn, zuhause herumzuhocken, und so habe ich begeistert zugesagt, als die im Büro der Kontaktmission mich fragten, ob ich ihnen nicht einige Wochen aushelfen möchte. Mein erstes Projekt war eine Datenbank für unsere Credits. Jeder Student dokumentiert seine Tätigkeiten, und ausbildungsrelevante Tätigkeiten werden bewertet, diese Credits zusammengezählt. Um bessere Auswertungsmöglichkeiten zu haben, habe ich also alles in eine einfache Access-Datenbank verwurstet. Jetzt muss man nicht Blätter wälzen, und mühsam alles per Hand ausrechnen, sondern kriegt die Infos mit zwei Mausklicks. Das ist eine ziemlich gute Sache!
Das andere Projekt war und ist unsere Bibliothek. Die Kontaktmission hat mehrere Tausend Bücher geschenkt bekommen, und diese wollen sortiert, katalogisiert und vor allem gelesen werden. Also suchten wir nach einer Software, die möglichst komfortabel und dabei möglichst günstig ist. Nun ist alles installiert, 80 Kisten Bücher sortiert, 40 weitere warten, und das Erfassen kann losgehen. Zwei Mädels aus Irland machen hier gerade ein Praktikum für ein paar Wochen, und wir kümmern uns zusammen um die Bücher.
Hier in Wüstenrot habe ich mich schon ziemlich gut eingelebt. Besuche einen Hauskreis, der hauptsächlich aus lieben alten Leuten besteht, habe viel Kontakt mit einer amerikanischen Missionarsfamilie, und ab und zu übernachtet jemand auch in der Wohnung. Ich werd hier nicht vereinsamen :) Einige Kontakte entwickelten sich ziemlich eng, so dass ich mich gut aufgehoben fühle.
Zwischendurch war ich zuhause bei meiner Familie, in der Gemeinde und bei Freunden. Es war schön, sie alle wiederzusehen. Habe sie vermisst. Eigentlich wollte ich meinen Unterrichtsstoff ein wenig nacharbeiten zuhause, aber ich war nicht in der Lage, auch nur eine Zeile aus einem Buch zu lesen, geschweige denn meine Pläne auch nur annähernd zu erfüllen. Besondere Freunde bereiteten mir Freunde aus Augsburg, die einen Kontakt zu einer Missionarin in Haiti vermittelt haben. Diese Missionarin ist jetzt in Deutschland, und die Augsburger haben mich eingeladen, sie mit ihnen zusammen zu besuchen. Zwei Tage war ich unterwegs, mit dem Zug. Hatte endlich Zeit zum Lesen und Nachdenken, für mich allein. Es war eine richtig schöne und gesegnete Zeit! Vielen Dank dafür!
Zwischenzeitlich hatte ich auch Gelegenheit, mit meinen haitianischen Kontakten zu sprechen. Eine alte Geschichte um Mißverständnisse, falsche Erwartungen, unerwartete Beleidigungen und kulturellen Zusammenprall mit viel Herzschmerz konnte zumindest besprochen werden, Unsicherheiten ausgeräumt werden. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen etwas falsch gemacht zu haben. Doch hat es sich als richtig erwiesen, und ich bin dankbar, dass für mich da jetzt Frieden ist.
Heute im Gottesdienst ging es in der Predigt um den Zehnten. Oder besser gesagt, es ging nicht um den Zehnten. Habe schon einige Predigten über den Zehnten gehört. Die heutige Predigt gefiel mir viel besser, denn es ging darum, klarzustellen, dass 100% Gott gehören. Und wir sie nur verwalten dürfen. Und dass unsere Einstellung dazu und zu unserem Gott richtig ist. Nicht "Gott hier hast Du 10 Euro und den Rest haue ich auf den Kopf und bin keinem Rechenschaft schuldig". Sondern "alle 100 Euro gehören Dir, denn Du hast sie mir anvertraut". Immer den Zehnten zu geben, und somit sein Gewissen auf der sicheren Seite zu wissen, kam mir schon immer irgendwie komisch vor. Jedem von uns ist soviel anvertraut worden, alles was wir haben, hat Gott uns geliehen. "Unsere" Einkünfte, "unser" Besitz, auch "unsere" Talente, um den Gedanken weiterzuspinnen. Und es geht Gott nicht darum, dass wir den Zehnten geben, und damit "aus dem Schneider" sind. Sondern es geht ihm darum, dass wir Ihn ehren, mit allem was uns zur Verfügung steht. Und dazu wird es manchmal notwendig sein, 80% zu geben, und manchmal werden vielleicht auch 10% reichen. Woher nehmen wir unsere Sicherheit im Leben? Kommt sie aus unserem schicken Auto, großen warmen Haus mit Garten und Trampolin für die Kinder, dem vermeintlich sicheren Job, unseren Versicherungen und der staatlichen Rente? Ich denke jeder von uns hat die Erfahrung schon gemacht, dass diese Sicherheiten im Zweifelsfalle nicht zuverlässig sind. Gott ist der Schöpfer von allem, Er regiert, Er hat die Kontrolle, Er kümmert sich und Er versorgt. Er sieht unsere Herzenseinstellung. Wenn wir Ihm vertrauen, und zu Seiner Ehre und mit dem nötigen Verstand mit unseren Ressourcen umgehen, dürfen wir uns auf Seine Verheißungen berufen. Und - Hand aufs Herz - wer kennt Stories von Leuten, die von Gott im Regen stehengelassen wurden, wenn es darauf ankam? Ich höre ehrlich gesagt nur Geschichten über genau die richtige Hilfe zu genau der richtigen Zeit, auf wunderbare Weise. Ich habe es selbst erlebt. Und ich darf mich frohen Herzens Gott anvertrauen, in der Gewissheit, dass Er immer da ist, und sich niemals ändert. Dank Ihm dafür!
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