Aufgrund seiner Geschichte ist das Land buchstäblich zusammengebrochen. Die meisten bekennen sich zum Christentum, doch betreiben über 90% der Menschen dort spirituelle Praktiken und Voodoo. Die menschen sind spürbar Gefangene ihrer Hoffnungslosigkeit; viele glauben, dass das Erdbeben eine Strafe Gottes für sie ist. Fast niemand hat eine Möglichkeit, auf ehrliche Weise sein Brot zu verdienen. Raub, Erpressung, Kidnapping, Prostitution, Betteln ist für die meisten Haitianer die scheinbar einzige Möglichkeit, irgendwie am Leben zu bleiben.
Am schlimmsten leiden Kinder unter dieser Situation. Viele von ihnen waren schon vor dem Erdbeben Waisen, nun wird deren Zahl auf über eine Million geschätzt. Dabei sind nicht immer die Eltern tot. Viele Menschen haben das Erdbeben und seine Folgen seelisch nicht verkraftet, und haben ihre Kinder einfach dem Schicksal überlassen.
Die Kinder werden zum Sex gezwungen, oder probieren selbst aus, weil sie die Erwachsenen dabei beobachten können. Sie haben entweder keinerlei Beschäftigung, weil sich niemand um sie kümmert, oder sie werden versklavt, für eine Schüssel Reis. Es ist gängige Praxis, seine Kinder irgendwelchen fremden Menschen abzugeben, damit sie sich um sie kümmern. Diese Kinder sind moderne Haussklaven, und müssen auch für die sexuellen Bedürfnisse ihrer Herren herhalten. Gerade diese Kinder sind meist im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Niemand kümmert sich darum, was ihnen geschieht. Alle Nachbarn, Verwandten, Bekannten haben ihre eigenen Sorgen. Diese Sklaven haben keinerlei Hoffnung auf ein gesundes Leben, auf Bildung, oder Freiheit.
Als wir im Camp waren, haben wir oft Kinder getroffen, die noch nicht einmal Wechselkleidung hatten. Wenn man sie auf den Arm nimmt, haben sie Angst runterzufallen, so vernachlässigt sind sie. Wenn sie Nahrung bekommen, dann haben sie sich die “erarbeitet”, oder jemand war so gnädig. Meist ist es nur möglich, wenn ausländische Firmen das Camp versorgen.
Ich möchte diese Menschen nicht verurteilen, die dies alles den Kindern antun, auch wenn sich alles in mir dagegen sträubt. Die meisten von ihnen haben selbst sexuellen Mißbrach erlebt, kämpfen jeden Tag um jedes Reiskorn, sind oft tagelang unterwegs, bis sie etwas zu essen finden, haben ihre Erlebnisse nicht verarbeiten können, und sind einfach seelische Wracks. Nichts kann ihr Verhalten entschuldigen, doch gibt es viele Erklärungen.
Kinder sind die Hoffnung einer Nation. Die Hoffnung der ganzen Menschheit. Das was Kinder in ihrem Leben erfahren, geben sie als Erwachsene an die nächste Generation weiter. Wie sollen diese Kinder zu gesunden und starken Persönlichkeiten heranwachsen, wenn niemand da ist, der es ihnen beibringt? Wie sollen diese Kinder lernen, Verantwortung für ihre Mitmenschen zu übernehmen, sich für andere einzusetzen, aufzustehen und voranzugehen, wenn sie nie Liebe erfahren?
Niemand kann ihre Wunden heilen, außer Gott. Er gibt uns die Möglichkeit, an diesem Auftrag mitzuarbeiten, und er beschenkt uns auch reich dafür. Wenn Du ihm dienen willst, wird er Dich mit allem versorgen, was Du zum Leben brauchst. Er wird dir Talente schenken, die für den Dienst notwendig sind. Er wird Dir Menschen schicken, die Dir helfen. Er wird Wunder tun! Nicht alles, was ich in den zwei Monaten in Haiti erlebt habe, ist logisch zu erklären. Das meiste dort waren Wunder für mich, einfach Dinge, die unter normalen Umständen nicht möglich sind. Möchtest Du nicht auch Teil dieses Werks sein? Gott in seiner Herrlichkeit erleben, täglich nicht nur theoretisch zu wissen, dass er bei Dir ist, sondern es wirklich zu erleben und sein Wirken zu spüren? Möchtest Du nicht auch traurige Kinderaugen lachen sehen? Möchtest Du nicht Verantwortung übernehmen, dich um die Schwachen zu kümmern?
Lehre mich, in Treue zu dir mein Leben zu führen. Du bist doch der Gott, bei dem ich Hilfe finde; auf dich hoffe ich zu jeder Zeit. Ps. 25:5
Donnerstag, 16. September 2010
Die Zeit nach dem Erdbeben
Die verzweifelten Menschen organisieren sich selbst, versuchen die Knochenbrüche und blutenden Wunden mit dem zu behandeln was sie in der unmittelbaren Nähe finden. Ambulanzen gibt es keine, stattdessen werden die schwer verletzten Opfer auf den Motorhauben der Fahrzeuge abgelegt, die halbwegs unbeschädigt sind.
Wieviele Menschen betroffen sind, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Das Internationale rote Kreuz wagte eine vorsichtige Schätzung: etwa drei Millionen Einwohner seien in irgendeiner Form von den Auswirkungen des Bebens betroffen.
Unterdessen läuft die internationale Hilfe an: US-Präsident Barak Obama kündigte an, dem Inselstaat schnell und unbürokratisch zu helfen. Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet erklärte, man müsse Haiti in diesen dramatischen Stunden zur Seite stehen. Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez versprach, die venezolanische Luftwaffe zu humanitären Einsätzen zu entsenden. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, die Vereinigten Staaten werden Hilfsgelder bereitstellen und Hilfskräfte entsenden: “Zunächst wollen wir so viele Informationen wie möglich sammeln”.
Ihr Ehemann und Ex-Präsident Bill Clinton ist UN-Sonderbotschafter für Haiti. Auch aus Deutschland und Europa werden Gelder bereitgestellt. Doch in den ersten Stunden und am ersten Tag nach der schicksalhaften Naturkatastrophe sind die Menschen auf sich allein gestellt.
Der Nachbarstaat Dominikanische Republik reagiert sofort und entsendet Militär, Räumungsfahrzeuge, Medizinische Hilfe, Techniker zum Wiederaufbau des Handynetzes. Überall an der Grenze werden Flüchtlingslager eingerichtet, die die Menschen aufnehmen, erhähren und behandeln.
Die Menschen haben sich in mehr als 1200 Camps rund um Port-au-Prince organisiert. Diese Camps sollten vorübergehend sein, doch haben die bis heute andauernden Nachbeben dazu geführt, dass viele Häuser unbewohnbar blieben und so sind die Menschen gezwungen, in engen und sich auf bis zu 90° aufheizenden Zelten auf dem nackten Erdboden zu schlafen, ohne Nahrung, Wasser, Medizin, sanitäre Anlagen, Schutz - bis heute.
Frauen und Kinder wurden vergewaltigt, für eine Handvoll Reis. Viele sahen keine andere Möglichkeit, zu überleben, und haben sich selbst verkauft. Krankheiten und Seuchen breiten sich aus. Bis heute ist die Lage der Menschen dort unvorstellbar grausam.
Die vielen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die ins Land gekommen sind, haben einige der Zeltstädte versorgen können. Keins der Camps hat alles, viele gar nichts. Die Verzweiflung der Menschen über diese aussichtslose Lage und die ausgebliebene Reaktion der eigenen Regierung führt zu Aufständen, hoher Gewaltbereitschaft, Kriminalität, und noch mehr Toten.
Berichten zufolge wurden weltweit etwa 10 Milliarden US-Dollar bereitgestellt, um der haitianischen Bevölkerung zu helfen. Dieses Geld wird von Bill Clinton verwaltet. Angekommen sind im Land bisher etwa 240 Millionen, meist in Form von Militär, um die aufgebrachte und verzweifelte Bevölkerung zu “befrieden”.
Doch auch diese Katastrophe ist den Weg gegangen, den andere Katastrophen vor ihr und nach ihr gehen. Irgendwo in der Welt passiert irgendwas neues, die Medien vergessen, daraufhin vergessen die Spender, und die NGOs haben kein Geld mehr zur Verfügung, um in Haiti zu helfen. Die meisten Organisationen haben ihre Arbeit dort eingestellt. Dies ist für die hilflosen Menschen fast noch schlimmer als die Katastrophe selbst. Sie verlieren den letzten Funken Hoffnung, weil sie verlassen werden.
Wieviele Menschen betroffen sind, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Das Internationale rote Kreuz wagte eine vorsichtige Schätzung: etwa drei Millionen Einwohner seien in irgendeiner Form von den Auswirkungen des Bebens betroffen.
Unterdessen läuft die internationale Hilfe an: US-Präsident Barak Obama kündigte an, dem Inselstaat schnell und unbürokratisch zu helfen. Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet erklärte, man müsse Haiti in diesen dramatischen Stunden zur Seite stehen. Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez versprach, die venezolanische Luftwaffe zu humanitären Einsätzen zu entsenden. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, die Vereinigten Staaten werden Hilfsgelder bereitstellen und Hilfskräfte entsenden: “Zunächst wollen wir so viele Informationen wie möglich sammeln”.
Ihr Ehemann und Ex-Präsident Bill Clinton ist UN-Sonderbotschafter für Haiti. Auch aus Deutschland und Europa werden Gelder bereitgestellt. Doch in den ersten Stunden und am ersten Tag nach der schicksalhaften Naturkatastrophe sind die Menschen auf sich allein gestellt.
Der Nachbarstaat Dominikanische Republik reagiert sofort und entsendet Militär, Räumungsfahrzeuge, Medizinische Hilfe, Techniker zum Wiederaufbau des Handynetzes. Überall an der Grenze werden Flüchtlingslager eingerichtet, die die Menschen aufnehmen, erhähren und behandeln.
Die Menschen haben sich in mehr als 1200 Camps rund um Port-au-Prince organisiert. Diese Camps sollten vorübergehend sein, doch haben die bis heute andauernden Nachbeben dazu geführt, dass viele Häuser unbewohnbar blieben und so sind die Menschen gezwungen, in engen und sich auf bis zu 90° aufheizenden Zelten auf dem nackten Erdboden zu schlafen, ohne Nahrung, Wasser, Medizin, sanitäre Anlagen, Schutz - bis heute.
Frauen und Kinder wurden vergewaltigt, für eine Handvoll Reis. Viele sahen keine andere Möglichkeit, zu überleben, und haben sich selbst verkauft. Krankheiten und Seuchen breiten sich aus. Bis heute ist die Lage der Menschen dort unvorstellbar grausam.
Die vielen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die ins Land gekommen sind, haben einige der Zeltstädte versorgen können. Keins der Camps hat alles, viele gar nichts. Die Verzweiflung der Menschen über diese aussichtslose Lage und die ausgebliebene Reaktion der eigenen Regierung führt zu Aufständen, hoher Gewaltbereitschaft, Kriminalität, und noch mehr Toten.
Berichten zufolge wurden weltweit etwa 10 Milliarden US-Dollar bereitgestellt, um der haitianischen Bevölkerung zu helfen. Dieses Geld wird von Bill Clinton verwaltet. Angekommen sind im Land bisher etwa 240 Millionen, meist in Form von Militär, um die aufgebrachte und verzweifelte Bevölkerung zu “befrieden”.
Doch auch diese Katastrophe ist den Weg gegangen, den andere Katastrophen vor ihr und nach ihr gehen. Irgendwo in der Welt passiert irgendwas neues, die Medien vergessen, daraufhin vergessen die Spender, und die NGOs haben kein Geld mehr zur Verfügung, um in Haiti zu helfen. Die meisten Organisationen haben ihre Arbeit dort eingestellt. Dies ist für die hilflosen Menschen fast noch schlimmer als die Katastrophe selbst. Sie verlieren den letzten Funken Hoffnung, weil sie verlassen werden.
Das Erdbeben gab dem am Boden liegenden Land den Rest
Am 12. Januar 2010 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,0 auf der Richterskala das gebeutelte Land, das schwerste seit 200 Jahren in der Region. Es passierte gegen 17.00 Uhr, als viele Schüler noch im Unterricht saßen, Menschen unterwegs und in den Geschäften waren. Das Beben zerstörte im Umkreis von etwa 100 km um Port-au-Prince die Städte bis zu 95%. Schätzungen zufolge kamen etwa 500.000 Menschen ums Leben, weitere 300.000 wurden verletzt und bis zu 1.200.000 Menschen wurden obdachlos. Zu den bereits vorher vorhandenen etwa 380.000 Waisenkindern kamen über 600.000 weitere hinzu.
Krankenhäuser, die Kathedrale, Ministerien, ein UN-Gebäude, Schulen, Universitätsgebäude, Hotels sind eingestürzt oder schwer beschädigt. Wohnhäuser bis aufs Fundament pulverisiert. Insgesamt wird die Anzahl der zerstörten Gebäude auf über 10.000 geschätzt. Zehntausende Menschen sind verschüttet. In tropischer Hitze verpestet bestialischer Gestank der nicht geborgenen Leichen die unheilschwangere Luft.
Der Präsidentenpalast, einst ein schneeweißer Prachtbau, liegt seit dem Erdbeben in Trümmern. Die Mauern sind eingefallen, die mächtige Kuppel nach unten gesackt. Es ist wohl das symbolprächtigste Bild: Haiti ist zusammengebrochen.
Die ersten Bilder, die die Öffentlichkeit nach den Erdstößen erreichen, machen deutlich, dass die Situation vor Ort verheerend ist. Kinder in Schuluniform, die zitternd vor Schmerzen und starr vor Angst auf dem Boden liegen und auf Hilfe hoffen. Mit einer Flasche Wasser wäscht ein Schulkind einem schwer verletzten Mädchen das Blut aus den Wunden. Es sind erschütternde Bilder. Staatliche Hilfskräfte gibt es nicht.
Auf den Straßen in Port-au-Prince herrscht das blanke Chaos: Straßenverkäufer, die auf den Bürgersteigen Gegrilltes verkauften, liegen schreiend auf dem Boden. Ihre Haut ist von den umgestürzten Grillständen verbrannt. Sie sind während der Erdstöße auf den Boden gefallen, ehe die glühendheißen Stände auf ihre Körper stürzten. Umher irrende Menschen, die auf der Suche nach dem eigenen Haus und den darunter verschütteten Familienangehörigen sind. Von überall her dringen Schreie, doch mit jeder Stunde werden die Rufe schwächer, die Schreie leiser. Die Lebenskräfte schwinden.
In der Hauptstadt selbst und in den Außenbezirken leben rund zwei Millionen Menschen - überwiegend in bitterer Armut. Ihre Hütten oder kleinen Häuser stürzen nach den heftigen Erdstößen wie Streichholzschachteln einfach um. Oder sie verschwinden in dem sich öffnenden Schlund der Erde: Ein ganzer Straßenzug stürzte in eine Schlucht, riss Häuser, Autos und Menschen mit in die Tiefe. Über der Stadt hängt eine riesige Staubwolke, die auch nach einer Nacht voller Schrecken wegen der zahlreichen Nachbeben nicht weiter gezogen ist.
In einer zusammengestürzten Universität versuchen Studenten ihre Kommilitonen aus den unteren Stockwerken zu befreien, sie selbst riskieren dabei Leib und Leben, denn jederzeit können Nachbeben die Trümmer ins Rutschen bringen und die Helfer ihrerseits unter sich begraben. Fast halbstündlich sorgen eben diese neuen Nachbeben für anhaltende Panik und Schrecken unter den Menschen.
Darüber hinaus breiten sich Brände in der ganzen Stadt aus, gerissene Gasleitungen speisen die Feuer, die schnell zu Feuerwalzen anwachsen. Besonders tragisch ist, dass das ganze Kommunikationsnetz auf der Insel zusammengebrochen ist. Weder die Haitianer können von außen Hilfe anfordern, noch die Menschen aus anderen Staaten ihre Angehörigen erreichen.
Krankenhäuser, die Kathedrale, Ministerien, ein UN-Gebäude, Schulen, Universitätsgebäude, Hotels sind eingestürzt oder schwer beschädigt. Wohnhäuser bis aufs Fundament pulverisiert. Insgesamt wird die Anzahl der zerstörten Gebäude auf über 10.000 geschätzt. Zehntausende Menschen sind verschüttet. In tropischer Hitze verpestet bestialischer Gestank der nicht geborgenen Leichen die unheilschwangere Luft.
Der Präsidentenpalast, einst ein schneeweißer Prachtbau, liegt seit dem Erdbeben in Trümmern. Die Mauern sind eingefallen, die mächtige Kuppel nach unten gesackt. Es ist wohl das symbolprächtigste Bild: Haiti ist zusammengebrochen.
Die ersten Bilder, die die Öffentlichkeit nach den Erdstößen erreichen, machen deutlich, dass die Situation vor Ort verheerend ist. Kinder in Schuluniform, die zitternd vor Schmerzen und starr vor Angst auf dem Boden liegen und auf Hilfe hoffen. Mit einer Flasche Wasser wäscht ein Schulkind einem schwer verletzten Mädchen das Blut aus den Wunden. Es sind erschütternde Bilder. Staatliche Hilfskräfte gibt es nicht.
Auf den Straßen in Port-au-Prince herrscht das blanke Chaos: Straßenverkäufer, die auf den Bürgersteigen Gegrilltes verkauften, liegen schreiend auf dem Boden. Ihre Haut ist von den umgestürzten Grillständen verbrannt. Sie sind während der Erdstöße auf den Boden gefallen, ehe die glühendheißen Stände auf ihre Körper stürzten. Umher irrende Menschen, die auf der Suche nach dem eigenen Haus und den darunter verschütteten Familienangehörigen sind. Von überall her dringen Schreie, doch mit jeder Stunde werden die Rufe schwächer, die Schreie leiser. Die Lebenskräfte schwinden.
In der Hauptstadt selbst und in den Außenbezirken leben rund zwei Millionen Menschen - überwiegend in bitterer Armut. Ihre Hütten oder kleinen Häuser stürzen nach den heftigen Erdstößen wie Streichholzschachteln einfach um. Oder sie verschwinden in dem sich öffnenden Schlund der Erde: Ein ganzer Straßenzug stürzte in eine Schlucht, riss Häuser, Autos und Menschen mit in die Tiefe. Über der Stadt hängt eine riesige Staubwolke, die auch nach einer Nacht voller Schrecken wegen der zahlreichen Nachbeben nicht weiter gezogen ist.
In einer zusammengestürzten Universität versuchen Studenten ihre Kommilitonen aus den unteren Stockwerken zu befreien, sie selbst riskieren dabei Leib und Leben, denn jederzeit können Nachbeben die Trümmer ins Rutschen bringen und die Helfer ihrerseits unter sich begraben. Fast halbstündlich sorgen eben diese neuen Nachbeben für anhaltende Panik und Schrecken unter den Menschen.
Darüber hinaus breiten sich Brände in der ganzen Stadt aus, gerissene Gasleitungen speisen die Feuer, die schnell zu Feuerwalzen anwachsen. Besonders tragisch ist, dass das ganze Kommunikationsnetz auf der Insel zusammengebrochen ist. Weder die Haitianer können von außen Hilfe anfordern, noch die Menschen aus anderen Staaten ihre Angehörigen erreichen.
Mittwoch, 15. September 2010
Einige Zahlen...
Die folgenden Zahlen stützen sich auf Schätzungen aus dem Jahre 2009:
Staatsform: Republik
Einwohner: ca. 9 Millionen
Fläche: ca. 28.000 qkm (etwa die Größe Hessens)
Hauptstadt: Port-au-Prince
Sprache: Kreolisch und Französisch
Alphabetisierungsrate: ca. 50%
Anteil derer, die unter der Armutsgrenze leben: 65%
Säuglingssterblichkeitsrate: 58 von 1000
Bevölkerungswachstum: 1,84%
Durchschnittliche Lebenserwartung: 61 Jahre
Durchschnittliches Alter: 20,5 Jahre
Religion: 95% Christen (davon 80% Katholiken und 15% Protestanten); gleichzeitig über 90% Spiritisten und Voodoo-Anhänger
Staatsform: Republik
Einwohner: ca. 9 Millionen
Fläche: ca. 28.000 qkm (etwa die Größe Hessens)
Hauptstadt: Port-au-Prince
Sprache: Kreolisch und Französisch
Alphabetisierungsrate: ca. 50%
Anteil derer, die unter der Armutsgrenze leben: 65%
Säuglingssterblichkeitsrate: 58 von 1000
Bevölkerungswachstum: 1,84%
Durchschnittliche Lebenserwartung: 61 Jahre
Durchschnittliches Alter: 20,5 Jahre
Religion: 95% Christen (davon 80% Katholiken und 15% Protestanten); gleichzeitig über 90% Spiritisten und Voodoo-Anhänger
Wer oder was ist Haiti?
Die “Republik d’Ayiti” ist ein auf der Insel Hispanola in den großen Antillen gelegener Inselstaat. Er umfasst den westlichen Teil der Karibikinsel, deren Ostteil die Dominikanische Republik einnimmt. Der Flughafen in Port-au-Prince ist etwa 2 Stunden von Miami entfernt. Die nächsten Inseln sind im Südwesten Jamaika, im Nordwesten Kuba.
Der Landesname kommt aus der Sprache der Taino, der Ureinwohner Hispanolas, und bedeutet “Bergiges Land”. Die Taino wurden in der Kolonialzeit fast vollständig ausgerottet, und die damaligen Großgrundbesitzer importierten Sklaven aus Afrika, um das fruchtbare Land zu bewirtschaften. Die heutigen etwa 9 Millionen Einwohner Haitis sind größtenteils Nachkommen dieser Sklaven. Die Spanier traten das Land an die Franzosen ab, und die Leidensgeschichte der Haitianer setzte sich fort. Als großen Akt ihres Befreiungskampfes weihten die Sklaven ihr Land Satan, als Gegner der Religion ihrer Kolonialherren. Als erste schwarze Republik in der Geschichte erkämpfte Haiti im Jahre 1804 ihre Unabhängigkeit. Die Haitianer haben viele andere schwarze Nationen in ihrem Befreiungskampf unterstützt.
Das Land wurde unter den Haitianern aufgeteilt und die Parzellen im Laufe der Jahre immer kleiner. Durch bodenerosion ist das fruchtbare Land seit der Besiedlung 1492 auf 50% geschrumpft. Der Regenwald war bereits 1990 zu 98% abgeholzt. Durch Monokulturen und starke Übernutzung wurde der Boden innerhalb weniger Jahre unfruchtbar. Die verarmten Nachkommen der einst stolzen Sieger machten noch steilere Hänge urbar, und auch dieses Land wird in wenigen Jahren unfruchtbar werden.
Im Rahmen des USAID-Programms entfallen immer mehr Flächen auf Kaffee- und Mangoplantagen für den Export. Einheimische Getreidesorten wurden durch die Überschwemmung des Marktes durch Genprodukte aus den USA zu Dumpingpreisen fast vollständig ausgerottet und den Bauern ihre Lebensgrundlage genommen. Landesweit führte der Verlust an landwirtschaftlichen Flächen zu sozialer Destabilisierung des Landes.
Seit der Befreiung erfuhr das Land viele Bürgerkriege und Diktaturen. Die innenpolitische Situation in Haiti war in den letzten Jahren durch wiederholte Krisen wie Staatsstreiche, ausländische Interventionen und Diktaturen mit ausbrüchen von gewalttätigen Konflikten, Verletzungen der Menschenrechte und chronischer Instabilität gekennzeichnet. Rechtsstaatliche Ordnung, institutionelle Strukturen und kollektive Verhaltensregeln fehlen weitgehend. Hinzu kommen Korruption, mangelnde Strafverfolgung, Wahlbetrug, kriminelle Banden, Drogenhandel und die Bereitschaft, Konflikte per Waffengewalt auszutragen.
Für die westliche Welt grundlegende Kommunaldienste wie Müllabfuhr, Kanalisation oder fließendes Wasser für die Haushalte fehlen vollständig. Die Hoffnungen der Menschen auf ein besseres Leben nach der Befreiung von ihren Besatzern wurden all die Jahre enttäuscht.
Seit Jahren hat die haitianische Bvölkerung unter der Armutsgrenze gelebt. So haben sie sich langsam an sehr schlechte Lebensumstände gewöhnt.
Haiti ist auch vielen extremen Naturereignissen ausgesetzt: schwere Regenfälle, Wirbelstürme, Erdbeben… ein Leben in ständiger Bedrohung. Wirbelstürme fegen immer wieder über das Land und führen jedesmal zu tausenden Todesopfern. Ihre zerstörerische Wirkung stürzt die Menschen in noch tieferes Elend.
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