Mittwoch, 15. September 2010

Wer oder was ist Haiti?







Die “Republik d’Ayiti” ist ein auf der Insel Hispanola in den großen Antillen gelegener Inselstaat. Er umfasst den westlichen Teil der Karibikinsel, deren Ostteil die Dominikanische Republik einnimmt. Der Flughafen in Port-au-Prince ist etwa 2 Stunden von Miami entfernt. Die nächsten Inseln sind im Südwesten Jamaika, im Nordwesten Kuba.


Der Landesname kommt aus der Sprache der Taino, der Ureinwohner Hispanolas, und bedeutet “Bergiges Land”. Die Taino wurden in der Kolonialzeit fast vollständig ausgerottet, und die damaligen Großgrundbesitzer importierten Sklaven aus Afrika, um das fruchtbare Land zu bewirtschaften. Die heutigen etwa 9 Millionen Einwohner Haitis sind größtenteils Nachkommen dieser Sklaven. Die Spanier traten das Land an die Franzosen ab, und die Leidensgeschichte der Haitianer setzte sich fort. Als großen Akt ihres Befreiungskampfes weihten die Sklaven ihr Land Satan, als Gegner der Religion ihrer Kolonialherren. Als erste schwarze Republik in der Geschichte erkämpfte Haiti im Jahre 1804 ihre Unabhängigkeit. Die Haitianer haben viele andere schwarze Nationen in ihrem Befreiungskampf unterstützt.


Das Land wurde unter den Haitianern aufgeteilt und die Parzellen im Laufe der Jahre immer kleiner. Durch bodenerosion ist das fruchtbare Land seit der Besiedlung 1492 auf 50% geschrumpft. Der Regenwald war bereits 1990 zu 98% abgeholzt. Durch Monokulturen und starke Übernutzung wurde der Boden innerhalb weniger Jahre unfruchtbar. Die verarmten Nachkommen der einst stolzen Sieger machten noch steilere Hänge urbar, und auch dieses Land wird in wenigen Jahren unfruchtbar werden.


Im Rahmen des USAID-Programms entfallen immer mehr Flächen auf Kaffee- und Mangoplantagen für den Export. Einheimische Getreidesorten wurden durch die Überschwemmung des Marktes durch Genprodukte aus den USA zu Dumpingpreisen fast vollständig ausgerottet und den Bauern ihre Lebensgrundlage genommen. Landesweit führte der Verlust an landwirtschaftlichen Flächen zu sozialer Destabilisierung des Landes.
Seit der Befreiung erfuhr das Land viele Bürgerkriege und Diktaturen. Die innenpolitische Situation in Haiti war in den letzten Jahren durch wiederholte Krisen wie Staatsstreiche, ausländische Interventionen und Diktaturen mit ausbrüchen von gewalttätigen Konflikten, Verletzungen der Menschenrechte und chronischer Instabilität gekennzeichnet. Rechtsstaatliche Ordnung, institutionelle Strukturen und kollektive Verhaltensregeln fehlen weitgehend. Hinzu kommen Korruption, mangelnde Strafverfolgung, Wahlbetrug, kriminelle Banden, Drogenhandel und die Bereitschaft, Konflikte per Waffengewalt auszutragen.


Für die westliche Welt grundlegende Kommunaldienste wie Müllabfuhr, Kanalisation oder fließendes Wasser für die Haushalte fehlen vollständig. Die Hoffnungen der Menschen auf ein besseres Leben nach der Befreiung von ihren Besatzern wurden all die Jahre enttäuscht.


Seit Jahren hat die haitianische Bvölkerung unter der Armutsgrenze gelebt. So haben sie sich langsam an sehr schlechte Lebensumstände gewöhnt.


Haiti ist auch vielen extremen Naturereignissen ausgesetzt: schwere Regenfälle, Wirbelstürme, Erdbeben… ein Leben in ständiger Bedrohung. Wirbelstürme fegen immer wieder über das Land und führen jedesmal zu tausenden Todesopfern. Ihre zerstörerische Wirkung stürzt die Menschen in noch tieferes Elend.

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