Aufgrund seiner Geschichte ist das Land buchstäblich zusammengebrochen. Die meisten bekennen sich zum Christentum, doch betreiben über 90% der Menschen dort spirituelle Praktiken und Voodoo. Die menschen sind spürbar Gefangene ihrer Hoffnungslosigkeit; viele glauben, dass das Erdbeben eine Strafe Gottes für sie ist. Fast niemand hat eine Möglichkeit, auf ehrliche Weise sein Brot zu verdienen. Raub, Erpressung, Kidnapping, Prostitution, Betteln ist für die meisten Haitianer die scheinbar einzige Möglichkeit, irgendwie am Leben zu bleiben.
Am schlimmsten leiden Kinder unter dieser Situation. Viele von ihnen waren schon vor dem Erdbeben Waisen, nun wird deren Zahl auf über eine Million geschätzt. Dabei sind nicht immer die Eltern tot. Viele Menschen haben das Erdbeben und seine Folgen seelisch nicht verkraftet, und haben ihre Kinder einfach dem Schicksal überlassen.
Die Kinder werden zum Sex gezwungen, oder probieren selbst aus, weil sie die Erwachsenen dabei beobachten können. Sie haben entweder keinerlei Beschäftigung, weil sich niemand um sie kümmert, oder sie werden versklavt, für eine Schüssel Reis. Es ist gängige Praxis, seine Kinder irgendwelchen fremden Menschen abzugeben, damit sie sich um sie kümmern. Diese Kinder sind moderne Haussklaven, und müssen auch für die sexuellen Bedürfnisse ihrer Herren herhalten. Gerade diese Kinder sind meist im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Niemand kümmert sich darum, was ihnen geschieht. Alle Nachbarn, Verwandten, Bekannten haben ihre eigenen Sorgen. Diese Sklaven haben keinerlei Hoffnung auf ein gesundes Leben, auf Bildung, oder Freiheit.
Als wir im Camp waren, haben wir oft Kinder getroffen, die noch nicht einmal Wechselkleidung hatten. Wenn man sie auf den Arm nimmt, haben sie Angst runterzufallen, so vernachlässigt sind sie. Wenn sie Nahrung bekommen, dann haben sie sich die “erarbeitet”, oder jemand war so gnädig. Meist ist es nur möglich, wenn ausländische Firmen das Camp versorgen.
Ich möchte diese Menschen nicht verurteilen, die dies alles den Kindern antun, auch wenn sich alles in mir dagegen sträubt. Die meisten von ihnen haben selbst sexuellen Mißbrach erlebt, kämpfen jeden Tag um jedes Reiskorn, sind oft tagelang unterwegs, bis sie etwas zu essen finden, haben ihre Erlebnisse nicht verarbeiten können, und sind einfach seelische Wracks. Nichts kann ihr Verhalten entschuldigen, doch gibt es viele Erklärungen.
Kinder sind die Hoffnung einer Nation. Die Hoffnung der ganzen Menschheit. Das was Kinder in ihrem Leben erfahren, geben sie als Erwachsene an die nächste Generation weiter. Wie sollen diese Kinder zu gesunden und starken Persönlichkeiten heranwachsen, wenn niemand da ist, der es ihnen beibringt? Wie sollen diese Kinder lernen, Verantwortung für ihre Mitmenschen zu übernehmen, sich für andere einzusetzen, aufzustehen und voranzugehen, wenn sie nie Liebe erfahren?
Niemand kann ihre Wunden heilen, außer Gott. Er gibt uns die Möglichkeit, an diesem Auftrag mitzuarbeiten, und er beschenkt uns auch reich dafür. Wenn Du ihm dienen willst, wird er Dich mit allem versorgen, was Du zum Leben brauchst. Er wird dir Talente schenken, die für den Dienst notwendig sind. Er wird Dir Menschen schicken, die Dir helfen. Er wird Wunder tun! Nicht alles, was ich in den zwei Monaten in Haiti erlebt habe, ist logisch zu erklären. Das meiste dort waren Wunder für mich, einfach Dinge, die unter normalen Umständen nicht möglich sind. Möchtest Du nicht auch Teil dieses Werks sein? Gott in seiner Herrlichkeit erleben, täglich nicht nur theoretisch zu wissen, dass er bei Dir ist, sondern es wirklich zu erleben und sein Wirken zu spüren? Möchtest Du nicht auch traurige Kinderaugen lachen sehen? Möchtest Du nicht Verantwortung übernehmen, dich um die Schwachen zu kümmern?
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