Die verzweifelten Menschen organisieren sich selbst, versuchen die Knochenbrüche und blutenden Wunden mit dem zu behandeln was sie in der unmittelbaren Nähe finden. Ambulanzen gibt es keine, stattdessen werden die schwer verletzten Opfer auf den Motorhauben der Fahrzeuge abgelegt, die halbwegs unbeschädigt sind.
Wieviele Menschen betroffen sind, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Das Internationale rote Kreuz wagte eine vorsichtige Schätzung: etwa drei Millionen Einwohner seien in irgendeiner Form von den Auswirkungen des Bebens betroffen.
Unterdessen läuft die internationale Hilfe an: US-Präsident Barak Obama kündigte an, dem Inselstaat schnell und unbürokratisch zu helfen. Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet erklärte, man müsse Haiti in diesen dramatischen Stunden zur Seite stehen. Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez versprach, die venezolanische Luftwaffe zu humanitären Einsätzen zu entsenden. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, die Vereinigten Staaten werden Hilfsgelder bereitstellen und Hilfskräfte entsenden: “Zunächst wollen wir so viele Informationen wie möglich sammeln”.
Ihr Ehemann und Ex-Präsident Bill Clinton ist UN-Sonderbotschafter für Haiti. Auch aus Deutschland und Europa werden Gelder bereitgestellt. Doch in den ersten Stunden und am ersten Tag nach der schicksalhaften Naturkatastrophe sind die Menschen auf sich allein gestellt.
Der Nachbarstaat Dominikanische Republik reagiert sofort und entsendet Militär, Räumungsfahrzeuge, Medizinische Hilfe, Techniker zum Wiederaufbau des Handynetzes. Überall an der Grenze werden Flüchtlingslager eingerichtet, die die Menschen aufnehmen, erhähren und behandeln.
Die Menschen haben sich in mehr als 1200 Camps rund um Port-au-Prince organisiert. Diese Camps sollten vorübergehend sein, doch haben die bis heute andauernden Nachbeben dazu geführt, dass viele Häuser unbewohnbar blieben und so sind die Menschen gezwungen, in engen und sich auf bis zu 90° aufheizenden Zelten auf dem nackten Erdboden zu schlafen, ohne Nahrung, Wasser, Medizin, sanitäre Anlagen, Schutz - bis heute.
Frauen und Kinder wurden vergewaltigt, für eine Handvoll Reis. Viele sahen keine andere Möglichkeit, zu überleben, und haben sich selbst verkauft. Krankheiten und Seuchen breiten sich aus. Bis heute ist die Lage der Menschen dort unvorstellbar grausam.
Die vielen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die ins Land gekommen sind, haben einige der Zeltstädte versorgen können. Keins der Camps hat alles, viele gar nichts. Die Verzweiflung der Menschen über diese aussichtslose Lage und die ausgebliebene Reaktion der eigenen Regierung führt zu Aufständen, hoher Gewaltbereitschaft, Kriminalität, und noch mehr Toten.
Berichten zufolge wurden weltweit etwa 10 Milliarden US-Dollar bereitgestellt, um der haitianischen Bevölkerung zu helfen. Dieses Geld wird von Bill Clinton verwaltet. Angekommen sind im Land bisher etwa 240 Millionen, meist in Form von Militär, um die aufgebrachte und verzweifelte Bevölkerung zu “befrieden”.
Doch auch diese Katastrophe ist den Weg gegangen, den andere Katastrophen vor ihr und nach ihr gehen. Irgendwo in der Welt passiert irgendwas neues, die Medien vergessen, daraufhin vergessen die Spender, und die NGOs haben kein Geld mehr zur Verfügung, um in Haiti zu helfen. Die meisten Organisationen haben ihre Arbeit dort eingestellt. Dies ist für die hilflosen Menschen fast noch schlimmer als die Katastrophe selbst. Sie verlieren den letzten Funken Hoffnung, weil sie verlassen werden.
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